Naturkosmetik - Was bedeutet das eigentlich?
Das Thema NATUR liegt im Trend und ist in aller Munde. Begriffe wie "natürlich", "Bio", "Öko", "nachhaltig" und "ganzheitlich" tummeln sich quer durch alle Branchen, angefangen bei Lebensmitteln, Textilien, Möbeln und Baustoffen bis hin zu Medizin und - allem voran Kosmetik.Erdöl ins Gesicht, Silikon in die Haare – das klingt nicht gerade appetitlich, ist für viele Menschen aber das Standard-Pflegeprogramm. Denn um den Effekt glatter Haut oder seidig glänzender Haare zu erzeugen, setzen konventionelle Hersteller auf zahlreiche Inhaltsstoffe, die zumindest fragwürdig sind. Der populärste: Paraffin in verschiedenen Formen. Das wachsartige Erdölderivat legt sich wie ein Film auf die Haut und sorgt dafür, dass sie sich geschmeidig anfühlt.
Paraffin ist beliebt, weil es sich gut in Kosmetik verarbeiten lässt und im Vergleich zu natürlichen Ölen sehr billig ist. Allerdings hat der Stoff einen Schönheitsfehler: Bei längerem Gebrauch greift Paraffin den Säureschutzmantel der Haut an, sie trocknet aus und kann sich nicht mehr selbst regenerieren.
Die tägliche Schadstoff-Dosis
Kosmetik besteht aus einer Vielzahl von Basis-, Wirk- und Zusatzstoffen. Ein Blick auf die Verpackung oder den Beipackzettel gibt Auskunft über die Inhaltsstoffe. Um aus den sogenannten INCI-Bezeichnungen schlau zu werden, ist eine Ausbildung zum Chemiker hilfreich – und eine zum Mediziner noch dazu. Über 6.000 kosmetische Substanzen wurden bis jetzt entwickelt, dazu weit über 2.000 künstliche Düfte. Sie sorgen beispielsweise dafür, dass die Bodylotion schnell einzieht, das Duschgel schäumt und die Creme lange hält. Doch nicht wenige dieser Hilfs- und Zusatzstoffe sind gesundheitlich umstritten. So stehen die konservierenden Parabene im Verdacht, Brustkrebs zu fördern. Halogenverbindungen sind als allergieauslösend bekannt, genauso wie zahlreiche Duftstoffe. Dass bedenkliche Stoffe allenfalls in kleinen Mengen enthalten sind, beruhigt nicht wirklich: Vieles davon gelangt durch die Haut und lagert sich bei regelmäßiger Anwendung im Körper ab. Wer seinem Körper den täglichen Chemiecocktail ersparen will, der greift zu Naturkosmetik.
Echte Naturkosmetik erkennen
In erster Linie verunsichert der Begriff "Naturkosmetik" viele Verbraucher, da er oft auch zweifelhafte Produkte ziert, die maximal ein wenig Pflanzenextrakt oder pflanzliches Öl enthalten und den Kunden darüber hinaus hinsichtlich der Herkunft aller übrigen Ingredienzien im Unklaren lassen.
Etliche Firmen sind auf diesen Zug aufgesprungen und betreiben letzendlich Verbrauchertäuschung.
"Naturkosmetik" ist kein geschützter Begriff. Im Jahr 1993 formulierte das Bundesministerium für Gesundheit eine erste unverbindliche Definition des Begriffs "Naturkosmetik". Danach dürfen Naturkosmetika ausschließlich aus Naturstoffen hergestellt sein. Ausnahmen bildeten naturidentische Konservierungsstoffe und auf Naturstoffen basierende Emulgatoren. Über diese unbefriedigende Definition hinaus gibt es bis heute, im Gegensatz zum Bio-Siegel für Lebensmitteln, leider keine gesetzlich verbindliche Regelung. Wie alle kosmetischen Mittel unterliegen auch Naturkosmetik-Produkte lediglich den Vorschriften der Kosmetik-Verordnung (KVO) des Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetzes (LMBG). Diese Verordnung schreibt unter anderem vor, dass alle in kosmetischen Produkten eingesetzten Ingredienzien mit ihren INCI-Bezeichnungen (INCI = International Nomenclature Cosmetic Ingredients) auf der Verpackung deklariert werden müssen. Die einzelnen Bestandteile müssen gemäß ihrer Konzentration im Produkt in abnehmender Reihenfolge aufgelistet sein. Bei Wirkstoffen, die in geringeren Mengen als ein Prozent enthalten sind, ist diese Reihenfolge nicht mehr vorgeschrieben.













